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Dritte I-CITE Studienreise: Transformation der Energiewirtschaft

Dritte I-CITE Studienreise: Transformation der Energiewirtschaft

Timeloc
17. März 2012 bis 24. März 2012
Deutschland, Dänemark

Die erneuerbaren Energien sind in Europa auf dem Vormarsch: Deutschland wendet sich ab von der Atomkraft und hin zu Energie aus erneuerbaren Quellen; Dänemark hat sich vorgenommen, bis 2020 zu 35% grüne Energie zu beziehen, bis 2050 sogar zu 100%. Die Teilnehmer der Studienreise "Transformation der Energiewirtschaft: Erdgas, erneuerbare Energien, Smart Grids und Elektromobilität" konnten Zeugen dieser Veränderungen werden. Die Reise, die an zukünftige umweltpolitische Führungskräfte in Amerika und Europa gerichtet war, fand vom 17. bis 24. März 2012 statt.

Mit Jens Müller, Stellvertretender Direktor für Kommunikation bei der Nord Stream AG in Lubmin, Deutschland
Mit Jens Müller, Stellvertretender Direktor für Kommunikation bei der Nord Stream AG in Lubmin, Deutschland

Als dritte Tour im Rahmen des Projekts "I-CITE: Wirtschaftstransformation durch Gemeinschaft" wurde diese Studienreise mit freundlicher Unterstützung der Europäischen Kommission durchgeführt. Die meisten Teilnehmer wurden mithilfe des E-LEEP-Netzwerkes (Emerging Leaders in Environmental and Energy Policy) ausgewählt, einem Forum für zukünftige amerikanische und europäische Führungspersönlichkeiten im Bereich Umwelt und Energie.

Während der Studienreise trafen sich die Teilnehmer in Deutschland unter anderem mit Vertretern aus Politik und Industrie; desweiteren besuchten sie die Nord-Stream-Pipeline sowie ein stillgelegtes Kernkraftwerk. In Dänemark umfasste die Reise außerdem ein Treffen mit Industrievertretern und Repräsentanten der Stadt Kopenhagen, bei dem über Energieeffizienz, Klima- und Transportpolitik diskutiert wurde. Zudem testeten sie Elektrofahrzeuge bei "Better Place" und besuchten eine Demonstrationsanlage für biologischen Zellulose-Ethanol sowie die energieautarke Insel Samsø.

"Arbeitsplätze und ein starkes, modernes produzierendes Gewerbe sind mit einer sauberen Energiewirtschaft vereinbar." – ein Teilnehmer der I-Cite-Tour


Mihaela Carstei (ACUS), Andris Spruds (Latvian Institute for International Affairs) und Marcel Viëtor (Auswärtiges Amt) im Gespräch mit Jens Müller von der Nord Stream AG in Lubmin, Deutschland

In Deutschland untersuchten die Teilnehmer der Studienreise, wie die Industrie auf energiewirtschaftliche Veränderungen reagieren könnte und welche Rolle Erdgas in diesem Prozess spielen könnte. Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der Europäischen Union ist Erdgas entscheidend für den Wandel der Energiewirtschaft. Als Brücke auf dem zu den Kohlenstoffreduktionszielen stellt es eine beliebte Zwischenlösung dar, es gibt aber auch Bedenken: Schiefergas hat den früheren Gasimporteur USA zu einem Exporteuer gemacht, aber das "Hydraulic Fracturing" oder auch "Fracking", mit dem das Schiefergas gefördert wird, ist derzeit in Deutschland und einigen anderen EU-Mitgliedsstaaten verboten. Die Teilnehmer diskutierten Deutschlands Haltung zum Schiefergas mit Vertretern von ExxonMobil und der Organisation InfoDialog Fracking, die Wissenschaftler und die Zivilgesellschaft zusammenbringt, um über die Zukunft des Frackings in Deutschland zu diskutieren.

Es ist das eine, etwas über Energieinfrastruktur zu hören. – und etwas völlig anderes, Energieinfrastruktur hautnah zu erleben: In Lubmin hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die vor kurzem in Betrieb genommene Nord-Stream-Pipeline zu besichtigen, die russisches Erdgas durch die Ostsee transportiert. Die Pipeline ist ein Beispiel für europäische Zusammenarbeit im Energiesektor, trotz eines ökologisch und politisch heiklen Hintergrundes. Nord-Stream ist über die OPAL-Pipeline mit der Tschechischen Republik und über die NEL-Pipeline mit den Niederlanden verbunden. Neben dem Besuch der Pipeline konnten die Teilnehmer auch noch andere Projekte der Energieinfrastruktur besichtigen, unter anderem den Kernreaktor in Block 6 des stillgelegten Kernkraftwerks in Greifswald.


Glenn Schatz (ECORE Ventures), Erin Grey (World Resources Institute), Claire Bastable (Western Energy Project) und Andrew Holland (American Security Project) auf Fahrradtour in Kopenhagen, Dänemark.

Die industrielle Perspektive auf den Wandel im Energiesektor wurde in Berlin mit Besuchen von BP und E.ON noch weiter ausgebaut. Während einer Diskussionrunde der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) wurde den Teilnehmern die sozialdemokratische Perspektive erläutert.

"Innovation ist lebendig und kann die Rahmenbedingungen völlig ändern." – ein Teilnehmer der I-CITE-Tour

In Kopenhagen nutzen 35% der Pendler [pdf, 1.2 MB, Englisch] das Fahrrad auf ihrem Schul- oder Arbeitsweg, und 68% der Einwohner fahren mindestens einmal die Woche damit. Die Teilnehmer diskutierten Kopenhagens Fahrrad-Strategie und die Klimaprogramme mit Vertretern der Stadt, um im Anschluss die Fahrrad-Infrastruktur der dänischen Hauptstadt gleich selbst zu testen. Aber es wurden nicht nur zweirädrige Gefährte ausprobiert – die Teilnehmer testeten auch neue Elektrofahrzeuge mit schaltbaren Batterien bei der Einrichtung Better Place. Ein Land von der Größe Dänemarks benötigt weniger Batterie-Wechselstationen als andere Staaten, was ein Vorteil für Pilotstudien zum Thema Elektromobilität ist. Die Teilnehmer waren insbesondere davon beeindruckt, wie leise und wie "normal" sich das Fahrerlebnis gestaltete.


Deirdre Lizio (Pratt Center for Community Development) and Aurelia Figueroa (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik) auf Fahrradtour in Kopenhagen, Dänemark.

Während des Besuchs von städtischen und industriellen Vertretern waren die Teilnehmer insbesondere daran interessiert, wie es Dänemark geschafft hatte, ein so förderliches Umfeld für alternative Transportmethoden zu schaffen: Hat Dänemark einfach nur eine "grüne" Kultur oder werden die Bürger aufgrund der hohen Steuern für Neufahrzeuge dazu gezwungen, sich anzupassen? Meist waren keine ideologischen Gründe, sondern eher Unternehmergeist und Geschäftssinn entscheidend für dänische Innovationen. Ob in Bezug auf verlässliche Windkraft oder auf neue Biokraftstoff-Technologien bei der Inbicon Bio-Raffinierie, stets betonten die dänischen Partner die wirtschaftliche Grundlage ihrer Initiativen.

"Es ist möglich." – ein Teilnehmer der I-CITE-Tour

Seit 1997 arbeiten die gut 4000 Einwohner von Samsø daran, ihre Insel mithilfe von erneuerbaren Energien unabhängig von anderen Energieformen zu machen. Die I-CITE-Gruppe setzte mit einer Fähre zu der Insel über, um sich diesen Mikrokosmos der Nachhaltigkeit anzuschauen. Samsø wird weltweit als Musterbeispiel für die Nutzung von erneuerbaren Energien gelobt, ist jedoch andererseits nur eine kleine Gemeinschaft, die sich bemüht, das wirtschaftliche Wachstum anzukurbeln und den Bevölkerungsrückgang aufzuhalten.


Elena von Sperber (Ecologic Institut) testet ein Elektroauto bei Better Place in Kopenhagen, Dänemark.

Bei der Samsø Energy Academy bekamen die Teilnehmer Informationen zu der Umgestaltung der Insel. Die Bewohner Samsøs ergreifen die Maßnahmen, die für sie finanziell sinnvoll sind. Manche Nachbarn investieren in kleine Beteiligungen an Windkraftanlagen, während sich andere gleich Geld für eine ganze Anlage leihen. Die meisten warten mehr als ein Jahrzehnt, bis sie die Schulden abbezahlt haben, aber sie sind geduldig.

Eric Koch Andersen, ein Landwirt, mit dem sich die Teilnehmer getroffen haben, verwendet für sein Auto Rapsöl, das er von einem Nachbarn kauft, da es günstiger als Diesel ist. Er heizt sein Haus mit Biomasse aus seinem eigenen Wald und auf seinem Dach befinden sich Sonnenkollektoren. Auf kommunaler Ebene verwenden die Einwohner Samsøs Fernwärme aus lokalem Stroh und kombinieren Solarthermik mit Biomasse, um saisonalen Energiebedürfnissen gerecht zu werden. Außerdem erfuhren die Teilnehmer, dass die Struktur der Gemeinden in Samsø entscheidend für den Erfolg des Projekts ist. In den Dörfern befinden sich alle Bauernhöfe und Scheunen nah beieinander, so dass eine gemeinsame Infrastruktur, etwa Fernwärme, einfacher umzusetzen ist. Søren Hermansen, der Direktor der Samsø Energy Academy, betonte die wichtige Rolle kommunaler Kooperation, um einen Wandel in der Energieversorgung herbeizuführen. Insgesamt hat dieser Besuch noch einmal unterstrichen, was die Teilnehmer von ihrer Reise bis dato bereits erkannt hatten: Die richtige Denkweise und ein hohes Maß an Engagement sind grundlegend für den Erfolg.

"Man kann eine grüne Lebensweise etablieren." – ein Teilnehmer der I-CITE-Tour


Von Kohle- zur Windkraft auf Samsø, Dänemark

Die I-CITE-Veranstaltungsreihe legt ihren Schwerpunkt auf Bemühungen der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten, die wirtschaftlichen Parameter während eines ökonomischen Abschwungs neu zu setzen, und so einen Wandel zu mehr Nachhaltigkeit, technologischer Innovation, Produktivitätssteigerungen, einer höheren Widerstandsfähigkeit gegenüber der Volatilität globaler Märkte sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen in verschiedenen Wachstumssektoren zu fördern. Die dritte Studienreise nach Deutschland und Dänemark beleuchtete praktische Projekte des derzeitigen Wandels im Energiesektor.

Teilnehmerblogs:


Die Gruppe mit Eric Koch Andersen auf seiner Landwirtschaft auf Samsø

Weiterführende Veröffentlichungen:

Weiterführende Links:

Schlüsselwörter: Energiewirtschaft, Erdgas, Erneuerbare Energie, Smart Grid (intelligentes Stromnetz), Elektrofahrzeuge, transatlantisch


Eric Koch Andersen erklärt den Einsatz von Rapsöl für Mobiliät auf seiner Landwirtschaft auf Samsø

Besuch bei Better Place in Kopenhagen, Dänemark

Clare Bastable im Fernwärmekraftwerk Maarup-Nordby auf der Insel Samsø, das sowohl auf Solarbasis, als auch durch das Verbrennen von Holzhackschnitzeln betrieben wird.

Finanzierung
Europäische Union, Auswärtiger Dienst (EAD)
Veranstalter
Ecologic Institut, Deutschland
Datum
17. März 2012 bis 24. März 2012
Ort
Deutschland, Dänemark,
Sprache
Englisch
Projektnummer
2225