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Die Umweltpolitik wird erwachsen: Die 1980er Jahre

Die Umweltpolitik wird erwachsen: Die 1980er Jahre

Timeloc
19. September 2013
Berlin
Deutschland
In dieser Phase lernten die staatliche Seite und die kritischen Umweltforscher, dass es sich lohnt, miteinander zu reden.

In der dritten Veranstaltung der Reihe diskutierten Dr. Volker Hauff, Bundesminister a.D. und Michael Sailer (Öko-Institut) über die Konsolidierung der Umweltforschungsinstitute in den 80er Jahren.

Dr. Volker Hauff war von 1978 bis 1980 Bundesminister für Forschung und Technologie und von 1980 bis 1982 Bundesminister für Verkehr unter Bundeskanzler Helmut Schmidt. In dieser Zeit sowie in den Folgejahren in der Opposition konnte er die frühe Zusammenarbeit des Staates mit der kritischen Umweltforschung nicht nur beobachten, sondern aktiv mitgestalten. Michael Sailer, heute Sprecher der Geschäftsführung am Öko-Institut und seit 1980 am Institut hat diese Entwicklung aus Sicht der Umweltinstitute erlebt.

Im Gespräch tauschten sich die beiden Experten zunächst über das damals vorherrschende Misstrauen auf beiden Seiten aus. Auf staatlicher Seite gab es zum einen nüchterne Bedenken bezüglich der administrativen Kompetenz der neuen Institute. Als eher ideologisch motiviert dürfte die Vergabe von „Alibiforschung“ zu werten sein, die teilweise durch staatliche Stellen vorgenommen wurde. Doch auch auf Seiten der Umweltinstitute gab es teilweise großes Misstrauen, einige kritische Stimmen verurteilten bereits den Versuch mit dem Staat zu kooperieren als korrupt.

Im Laufe der achtziger Jahre normalisierte sich das Verhältnis, wenn auch die Jahre unter der Regierung Kohl keine einfache Zeit für die kritischen Umweltforscher waren. Die Staatsvertreter, aber auch die kritischen Umweltforscher lernten, dass sich der Dialog mit der anderen Seite lohnte, wollte man gute Umweltgesetzgebung voranbringen.

Der Kompetenzaufbau innerhalb der kritischen Umweltforschung tat sein übriges. In inhaltlichen Fragen, beispielsweise zur Reaktorsicherheit, kam man bald nicht mehr am Öko-Institut vorbei. Nach der Tschernobyl Katastrophe war das Öko-Institut ein wichtiger Ansprechpartner für die staatliche Seite. Zudem entwickelte sich das Öko-Institut Mitte der achtziger Jahre in eine transdisziplinäre Richtung. Die Stärkung der sozialwissenschaftlichen Kompetenz half dem Institut die Akteure und ihre Spielräume besser zu verstehen und so Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen, um technisches Wissen zu transportieren. Das Öko-Institut lernte „wie Staat funktioniert“.

Die Phase des Erwachsenwerdens wurde auch durch das Kreuzen der Lebenswege von Dr. Hauff und Michael Sailer beeinflusst: In einer Anhörung zu Reaktorsicherheit 1979 versicherte der damalige Bundesminister Hauff: „Wir würden auch Anträge von Kritikern befürworten, aber wir bekommen keine“. Dies weckte den Ehrgeiz bei Michael Sailer und seinem Kollegen Lothar Hahn: „Das versuchen wir jetzt“. In der Tat hat das Öko-Institut in der Folge einen BMBF Auftrag erhalten, der eine wichtige Grundlage zur Stabilisierung des Instituts wurde. Die Lesart von Dr. Hauff, dass das BMBF den Aufbau des Öko-Institut mit forciert habe, teilte Michael Sailer jedoch nur eingeschränkt. So beurteilte Michael Sailer den durch das BMBF angestoßenen „Bürgerdialog“ als positiven Schritt in Richtung Zusammenarbeit, doch hat das Institut in der Anfangszeit starken Gegenwind verspürt.

Beide Experten sahen eine scharfe Lernkurve auf beiden Seiten und betonten die Bedeutung von Transdisziplinarität sowohl für Politik als auch Wissenschaft um Umweltthemen voranzubringen.

Anschließend an das Expertengespräch wurde eine Fragerunde eröffnet. Diskutiert wurde über folgende Themen:

  • (Un)möglichkeit der Förderung der kritischen Institute in der Anfangsphase („politischer Selbstmord“)
  • Die Ausnahmestellung der Umweltpolitik im Vergleich zu anderen Politikfeldern in denen weniger Vielfalt bei der Beratung herrscht
  • Die Bedeutung von Umweltkrisen für die Entwicklung von Umweltpolitik und welche Folgen dies für „schleichende Krisen“ wie den Klimawandel hat
  • Vor- und Nachteile von Grundförderung für unabhängige Institute


Finanzierung
Ecologic Institut, Deutschland
Veranstalter
Ecologic Institut, Deutschland
Sprecher
Dr. Volker Hauff
Michael Sailer
Datum
19. September 2013
Ort
Berlin, Deutschland
Sprache
Deutsch
Teilnehmerzahl
15
Projektnummer
2251
Schlüsselwörter
Politikberatung, Umweltpolitik, Dr, Hauff, Michael Sailer, Atomkraft, Öko-Institut, Oral History, Ecornet, Interview, Deutschland