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2052. Der neue Bericht an den Club of Rome – Sind Demokratie und Kapitalismus den zukünftigen globalen Herausforderungen gewachsen?

2052. Der neue Bericht an den Club of Rome – Sind Demokratie und Kapitalismus den zukünftigen globalen Herausforderungen gewachsen?

Timeloc
6. Dezember 2012
Berlin
Deutschland
Demokratien sind von Natur aus hauptsächlich auf kurzwirkende Lösungen ausgerichtet und daher grundsätzlich unfähig, langfristige Herausforderungen wie den Klimawandel anzugehen.

Am 6. Dezember 2012 organisierte das Ecologic Institut zusammen mit dem Oekom-Verlag einen Dinner Dialogue mit dem Ehrengast Jorgen Randers in Berlin. Randers wurde 1972 als Koautor der Studie "Die Grenzen des Wachstums des Club of Rome" bekannt. 2012 folgte ein "Neuer Bericht an den Club of Rome." An der BI Norwegian Business School ist Randers Professor für Klimastrategien. Auf dem Dinner Dialogue präsentierte er die Erkenntnisse aus seinem neuen Buch "2052. Der neue Bericht an den Club of Rome. Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre".

Im Jahr 1972 beschrieb die Studie des Club of Rome erstmalig ein Katastrophenszenario: im Laufe der nächsten hundert Jahre werden die absoluten Grenzen des Wachstums auf der Erde erreicht, wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen unverändert anhält. Im Jahr 2012 habe sich nicht viel an dieser Aussicht für die nächsten 40 Jahre verbessert, wie Randers in seinem neuen Buch erläutert.

"Der Menschheit ist es bisher nicht gelungen, das Problem des Klimawandels anzugehen"

Bisher sei es der Menschheit nicht gelungen, das Problem des Klimawandels grundlegend anzugehen, so Randers. Der Grund dafür sei nicht der Mangel an geeigneter Technologie; denn alle Technologien, die wir hierfür benötigten, existierten bereits. Das Problem sei auch kein finanzielles Problem; denn die Lösung für das Klimaproblem wäre nur eine relativ kleine Veränderung der weltweiten Industrie- und Wirtschaftsstruktur: Wenn lediglich 2 % des globalen Bruttoinlandprodukts auf die Abschwächung des Klimawandels verwendet würden, dann wäre das gleiche Wohlstandssniveau nur sechs bis zwölf Monaten später erreicht, als ohne diese Investition der Fall wäre. Das eigentliche Problem ist laut Randers, dass demokratische Systeme nicht die notwendigen Entscheidungen zur wirksamen Bewältigung des Klimawandels herbeiführen.

Die Vereinnahmung von Lobbys als Hauptgrund für wirkungslose Klimawandel- Politik

Der Grund dafür ist, dass die westlichen Volkswirtschaften – wie auch eine wachsende Zahl von Volkswirtschaften weltweit - auf dem Glauben an den Markt basieren. Kapitalistische Märkte bevorzugen jedoch immer eine Mindestkosten-Option. Diese wiederum begünstigt keine sauberen Technologien, die möglicherweise auf lange Sicht preiswerter sind, aber kurz- bis mittelfristig höhere Investitionen, Lernkosten etc. erfordern. Im Prinzip könnten die Regierungen diese Defizite durch entsprechende Verordnungen wettmachen. Allerdings gibt es nur wenige Fälle, in denen sich eine demokratische Mehrheit für eine solche Regelung entschieden hat, denn in der Regel verhindert die Vereinnahmung durch Lobbys eine solche Regelung in erster Linie oder sorgt dafür, dass politische Maßnahmen mit so vielen Ausnahmen daherkommen, dass sie wirkungslos sind. Es gibt auch einige Fälle, die das Gegenteil beweisen: zum Beispiel haben Deutschland und wenige andere Länder, Maßnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien mit einer langfristigen Ausrichtung verabschiedet. Seit einiger Zeit gelingt es der EU-Kommission jedoch, umweltpolitische Richtlinien mit erheblichem Anspruch und großer Tragweite zu formulieren - obwohl sie auch fähig waren so zu handeln, da sie sich in einem demokratischen Vakuum befanden. Allerdings blieben das Ausnahmen.

"Klimapolitik muss aus dem politischen Alltagsgeschäft entfernt werden"

Auf dieser Grundlage zog Randers den Schluss, dass Demokratien von Natur aus hauptsächlich auf kurzwirkende Lösungen ausgerichtet seien und daher grundsätzlich unfähig, langfristige Herausforderungen wie den Klimawandel anzugehen. Als Lösung schlug er vor, die Klimapolitik aus dem politischen Alltagsgeschäft zu entfernen. Statt dessen sollte eine unabhängige Agentur mit einem Mandat beauftragt werden, um die notwendigen Maßnahmen für den Wandel zu einer kohlenstoffarme Entwicklung umzusetzen – ganz ähnlich wie eine Zentralbank oder ein Verfassungsgericht, die Teil des Regierungssystems sind, aber unabhängig vom politischen Alltag. Natürlich wäre die Einführung eines solchen Organs an sich eine langfristige Entscheidung. Randers schlug dann vor, dass das „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC) die vorgeschlagene Rolle einnehmen könnte.

Eine lebhafte Diskussion zwischen den Teilnehmern

An die Präsentation schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Einige Gäste bezweifelten, dass Demokratien lediglich in Richtung Kurzfristigkeit ausgerichtet sind und unfähig wären langfristige Lösungen zu verwirklichen. Oder dass es politisch wünschenswert ist, vorübergehend und teilweise demokratische Mechanismen außer Kraft zu setzen. Einige der Teilnehmer stellten die Frage, ob eine Agentur die anvisierte Rolle ausfüllen könnte, da hierarchische, zentralisierte Systeme effektiv sein könnten, aber auch ein hohes Risiko des Scheiterns in sich bergen. Außerdem diskutierten die Teilnehmer die Rolle der Bottom-Up- versus Top-Down-Modelle im Bereich des Klimaschutzes. Sie waren sich weitgehend einig, dass Bottom-Up-Ansätze erhebliche positive Auswirkungen haben könnten, aber nur, wenn zukünftig insgesamt ausreichende Impulse gewonnen werden können.

Die Veranstaltung wurde von R. Andreas Kraemer, Direktor des Ecologic Instituts, moderiert.


Finanzierung
oekom verlag, Deutschland
Veranstalter
Ecologic Institut, Deutschland
oekom verlag, Deutschland
Sprecher
Datum
6. Dezember 2012
Ort
Berlin, Deutschland
Sprache
Englisch
Teilnehmerzahl
13
Schlüsselwörter
Klimawandel, Klimaschutz, Kapitalismus, Club of Rome, Richtlinien, Demokratie, Chatham House Rules