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Bioenergie und ihr umstrittener Beitrag zum europäischen Klimaschutz

Veranstaltung

Bioenergie und ihr umstrittener Beitrag zum europäischen Klimaschutz

Timeloc
29. Mai 2008
Berlin
Deutschland

Im Januar 2008 hat die EU-Kommission mit der Vorlage der Richtlinie zur Förderung von Erneuerbaren Energien ambitionierte Ziele u.a. für die Steigerung des Biokraftstoffanteils im Verkehrsbereich gesetzt. Auch in der Klimaschutzpolitik einzelner EU-Mitgliedsstaaten spielt Bioenergie eine wichtige Rolle. Doch nimmt die Kritik zu. Kontroversen entfalten sich etwa um die Klimabilanz der Bioenergie oder um die Folgen ihres Einsatzes für Biodiversität und Nahrungsmittelsicherheit. In der Veranstaltungsreihe „Climate Talk“ wurden diesbezüglich Probleme und Lösungsansätze erörtert.

Der Climate Talk fand diesmal in den Räumen der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin statt. Eingeleitet wurde die Diskussion durch drei Impulsreferate: Stephanie Schlegel (Ecologic Institute) ging auf die EU-Bioenergiepolitik ein und konzentrierte sich dabei auf das im Januar 2008 von der Europäischen Kommission vorgelegte Klima- und Energiepaket. Helmut Lamp (Mitglied des Bundestages, Vorstandsvorsitzende Bundesverband BioEnergie e.V.) stellte die Rolle der Bioenergie im zukünftigen Energiemix dar und erläuterte Vorzüge wie Nachteile der Bioenergieproduktion. Sabine Blossey (Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz Brandenburg) widmete sich schließlich der Bedeutung, den Chancen und den Schwierigkeiten des Bioenergie-Ausbaus auf regionaler Ebene.

Im Rahmen des Climate Talks wurde eine Vielzahl von Aspekten beleuchtet und diskutiert.

Ein Schwerpunkt der Diskussion war die Klimabilanz der Biokraftstoffe, welche durch zum Teil energieintensive Produktion, Transport und – in einigen Fällen – durch die Zerstörung bewaldeter Flächen zugunsten von Bioenenergienanpflanzungen gemindert wird. Kontrovers wurde die Frage nach der Bedeutung von Importen für die Erreichung von Bioenergie-Quoten diskutiert. Es wurde vielfach unterstrichen, dass die Anbauflächen in der EU nicht ausreichen, um die für den europäischen Markt benötigte Menge an Biokraftstoffen herzustellen. Vor diesem Hintergrund wurde angenommen, dass dauerhaft mit Importen zu rechnen sei. In diesem Zusammenhang wurde die Bedeutung Russlands herausgestellt, welches auf vorhandenen, vielfach brachliegenden landwirtschaftlichen Flächen Bioenergie produzieren könnte.

Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Frage der Notwendigkeit, Möglichkeit und Durchschlagskraft einer Zertifizierung. Diese Debatte wurde vor dem Hintergrund von Problemen wie des Verlustes von Biodiversität aufgrund des Anbaus von Energiepflanzen in subtropischen Ländern oder der (Verschärfung von) Nahrungsmittelknappheit geführt. Die Forderung nach fundierten Nachhaltigkeitskriterien fand großen Anklang, um zu gewährleisten, dass die EU-Strategie zur Förderung von Biokraftstoffen sich nicht nachteilig bezogen auf die genannten Punkte auswirkt. Gleichzeitig wurde jedoch deutlich, dass die Bestimmung von Inhalt und Umfang solcher Kriterien ebenso Schwierigkeiten bereitet wie die Durchsetzung der selbigen. Daher wurde die Reichweite von Zertifizierungsprogrammen zur Sicherstellung von Nachhaltigkeit vielfach angezweifelt

Nach ausgiebiger Debatte wurden diese und andere Fragen in einem nahe gelegenen Restaurant vertieft.