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Ein Konzept für nachhaltigen (Individual-) Tourismus in der Antarktis

Ein Konzept für nachhaltigen (Individual-) Tourismus in der Antarktis

Das Ecologic Institut hat im Auftrag des Umweltbundesamtes eine Studie zum Einfluss des Individual-Tourismus in der Antarktis durchgeführt. Der Bericht "Ein Nachhaltiges Konzept für den Tourismus in der Antarktis" beleuchtet mögliche Vorgehensweisen für das Tourismusmanagement und entwickelt Empfehlungen für ein nachhaltiges Tourismus-Konzept für die Antarktis.


© von Sperber

© von Sperber

© von Sperber

In den letzten Jahren hat die beträchtliche Zunahme und Ausweitung touristischer Aktivitäten in der Antarktis verstärkt Anlaß zur Sorge gegeben. Obwohl die Mehrheit der Touristen die Antarktis noch immer in Schiffen mit zahlreichen Passagieren bereist, steigt zunehmend die Zahl derer, die sich dafür entscheiden, den weißen Kontinent als Individualreisende, d.h. in kleineren Gruppen, zu besuchen. Die Nachfrage nach Aktiv-Tourismus ist gestiegen und neue Aktivitäten wie Snowboarding, Klettern, Kayak fahren oder Tauchen ziehen immer weitere Besucher an.

Die Studie wirft einen näheren Blick auf die Entwicklung des Antarktis-Tourismus in den letzten Jahrzehnten, und konzentriert sich dabei auf Wasser- und Land-gestützten Individualtourismus. Ebenso untersucht die Studie die existierenden rechtlichen Rahmenbedingungen menschlicher Aktivitäten in der Antarktis, die hinsichtlich touristischer Aktivitäten lediglich fragmentarischen Charakter haben, und die Selbstverpflichtungen der  Tourismusindustrie.

Um die Auswirkungen des Individualtourismus und die damit verknüpften Herausforderungen zu untersuchen, wertete das Ecologic Institut wissenschaftliche Literatur und internationale politische Vorschläge aus. Ferner wurden Experten und Interessenvertreter aus neun verschiedenen Ländern, aus der akademischen Welt ebenso wie aus Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und der Tourismusindustrie, befragt, um Schwächen im derzeitigen Tourismusmanagement in der Antarktis sowie potentielle Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Schließlich enthält die Studie eine Reihe von Anregungen und Empfehlungen, existierende Mängel zu beseitigen und das Tourismusmanagement zu verbessern, wie z.B.:

  • die Entwicklung eines umfassenden Rechtsrahmens auf der Grundlage einer klaren Zielsetzung für den Antarktistourismus in den kommenden Jahrzehnten
  • die Umsetzung des Vorsorgeprinzips als Leitlinie in der Entwicklung dieses Rahmens
  • die Einbindung von Initiativen, gestützt auf verschiedene Szenarien möglicher künftiger Entwicklung und Kommerzialisierung des Individualtourismus
  • die Einführung des Konzeptes der 'Wildniswerte' ('Werthaltigkeit unberührter Natur') als Grundlage für die Schaffung von (Rechts-)Vorschriften, z. B. in Bezug auf Entwicklungen im Bereich von Anlagen auf dem Land und Transportmöglichkeiten
  • die Berücksichtigung des Tourismus als eigener Belang in einem zusätzlichen Annex zum Umweltschutzprotokoll zum Antarktisvertrag
  • die Heranziehung von Forschung und Überwachung als Basis für eine rationale Entscheidungsfindung, die auch wechselseitige Beeinflussungen und kumulative Auswirkungen berücksichtigt
  • Proaktive Nutzung der Zonierung als Teil eines kohärenten Umweltmanagementsystems in Verbindung mit anderen Management-Tools
  • die Kontrolle des Zugangs zu bestimmten Orten und der dort erlaubten touristischen Aktivitäten
  • die Diskussion über bestimmte Obergrenzen hinsichtlich der Anzahl der Touristen
  • die Verhinderung von Anlagen auf dem Land durch eine Fokussierung des Schiff-basierten Tourismus
  • die Einführung eines Akkreditierungs- und Trainings-Systems für Tourismusveranstalter, um ein hohes Maß der Einhaltung von Umweltstandards zu erreichen
  • Etablierung eines Rechtsrahmens für Beobachter an Bord von Touristenschiffen
  • die Einbeziehung von Hafenstaatkontrollen in Schlüssel-Häfen, um die Genehmigung und hinreichende Vorbereitung von Reisen in die Antarktis zu überprüfen
  • die Berücksichtigung kumulativer Auswirkungen bei Umweltverträglichkeitsprüfungen
  • die effizientere Aufklärung von Individualtouristen hinsichtlich der geltenden Vorschriften durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit an strategisch wichtigen Orten
  • die Organisation von Ausbildungs- und Trainingskursen für Individualtouristen vor ihrer Abreise in die Antarktis

Die Ergebnisse der Studie dienten als Grundlage für ein Gutachten, das durch die Deutsche Delegation bei der Konsultativtagung zum Antarktisvertrag (ATCM) in Buenos Aires im Juni 2011 präsentiert wurde  (Konsultationen zum Antarktisvertrag (ATCM XXXIV), Buenos Aires (ARG), 20. Juni – 1. Juli 2011, in Verbindung mit dem 14. Treffen des Kommitees des Antarktisvertrags für Umweltschutz (CEP XXXIV).

Weiterführende   Links:

The Antarctic Treaty Secretariat (ATS)
XXXIV Antarctic Treaty Consultative Meeting (ATCM Buenos Aires)
International Association of Antarctica Tour Operators (IAATO)
Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC)


Finanzierung
Umweltbundesamt (UBA), Deutschland
Partner
Ecologic Institut, Deutschland
Projektdauer
Dezember 2010 bis Mai 2011
Projektnummer
2343
Schlüsselwörter
Individualtouristen, Aktiv-Tourismus, Vorsorgeprinzip, Antarktis-Vertragssystem, Umweltschutzprotokoll zum Antarktisvertrag, Wilniswerte, Selbstverpflichtung, Tourismusmanagement, IAATO, Interviews, Antarktis