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Wovon werden die Anpassungsmuster einer Gesellschaft bestimmt?

Präsentation

Wovon werden die Anpassungsmuster einer Gesellschaft bestimmt?

TimeLoc
12. Mai 2015
Kopenhagen
Dänemark
Kulturelle Werte und Normen übersetzen sich in Politik. Die Kenntnis der Umweltgeschichte von Gesellschaften ist wesentlich, um die Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen und innovative Anpassungslösungen zu entwickeln.

Auf der Europäischen Klimaanpassungskonferenz ECCA 2015 leitete Dr. Grit Martinez vom Ecologic Institut die Session "Der Schutz unserer Ufer: Soziale und kulturelle Aspekte der Anpassung an den Klimawandel in Küstenregionen Europas und der Vereinigten Staaten". In dem Veranstaltungsblock wurden Ursprünge und Bedeutung von Hochwasserschutzprogrammen sowie Anpassungsmaßnahmen und -strategien in den Niederlanden, Deutschland und den USA erörtert. Die Präsentationen stehen als Download zur Verfügung.

Seit Jahrtausenden haben die Küstenräume in Europa große Zahlen von Menschen angezogen. Heute lebt fast die Hälfte aller Europäer in Küstenregionen, die 40 % des Gesamtgebietes der 27 EU-Länder ausmachen. Europa ist in dieser Hinsicht kein Spezialfall. Küsten sind von großem Wert und stellen außergewöhnlich produktive Regionen im Hinblick auf kulturelles Erbe, gebaute Infrastuktur, Tourismus und Handel dar. Gleichzeitig, und gerade deswegen, sind sie auch besonders verwundbar gegenüber klimabedingten Einwirkungen wie Meeresspiegelanstieg, Überschwemmungen, Erosion, Stürmen und Wirbelstürmen. Trotz dieser Gefahren verzeichnen Küstenstädte und –regionen weiterhin Zuzug.

In der Session Der Schutz unserer Ufer: Soziale und kulturelle Aspekte der Anpassung an den Klimawandel in Küstenregionen Europas und Vereinigten Staaten der auf der European Climate Change Adaptation Conference (ECCA) erörterte ein heterogene Gruppe von Vortragenden aus Naturwissenschaft sowie Geistes- und Sozialwissenschaften historische, soziokulturelle und wirtschaftliche Pfadabhängigkeiten, die den gegenwärtigen Umgang von politischen Entscheidungsträgern, Versicherungsgesellschaften und der Gesellschaft insgesamt mit den Herausforderungen des Klimawandels prägen. An die Vorträge schloss sich eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum an.

Die Session basierte unter anderem auf Ergebnissen der Projekte RISC-KIT (Resilienzsteigernde Strategien für Küsten) und BASE (Bottom-Up Klimaanpassungsstrategien für ein nachhaltiges Europa) unter dem 7. EU-Forschungsrahmenprogramm sowie des Projektes RADOST (Regionale Anpassungsstrategien für die deutsche Ostseeküste), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Initiative KLIMZUG ("Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten") gefördert wurde.

Die Session wurde moderiert von Dr. Grit Martinez vom Ecologic Institut und stand in Verbindung mit der RISC-KIT-Session Reducing Coastal Vulnerability in Europe: science, policy and application (Die Vulnerabilität der europäischen Küsten verringern: Wissenschaft, Politik und Anwendung), welche wiederum Dr. Ap an Dongeren moderierte.

In ihrer Einführung [pdf, 0.8 MB, Englisch] hob Dr. Grit Martinez (Ecologic Institut) hervor, dass politische Entscheidungen von kulturell determinierten Verhaltensmustern abhängen. Die Veränderungen, die eine Gesellschaft in Anpassung an ein sich änderndes Klima und zur Verringerung entsprechender Risiken vornimmt, stehen in direktem Zusammenhang mit historischen, kulturellen und ökonomischen Geschehnissen. Die Umweltgeschichte von Gesellschaften zurückzuverfolgen, ist eine Notwendigkeit, um die gesellschaftliche Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels und die Entwicklung innovativer Anpassungslösungen zu unterstützen.

Dr. Ap an Dongeren (Deltares) stellte in seiner Präsentation Coastal risk reduction: Converging approaches in the U.S. and the Netherlands? [pdf, 1.4 MB, Englisch] (Verringerung von Küstenrisiken: Annäherung der Herangehensweisen in den Niederlanden und den USA?) Ansätze zur Risikominderung in den Niederlanden und den USA einander gegenüber. Er erläuterte, warum in den Niederlanden neue Standards entwickelt wurden, die eine stärkere räumliche Differenzierung von Schutzniveaus unter Gesichtspunkten von Kosten-Nutzen-Analyse, kulturellem Erbe und individueller Verantwortlichkeit für persönliche Risiken bewirken. Weiter stellte er die wesentlichen Unterschiede zur gegenwärtigen Herangehensweise in den USA dar und begründete, warum sich die Ansätze in den Niederlanden und den USA zukünftig einander annähern könnten.

Emmy Bergsma, Doktorandin an der Universität Amsterdam, zeigte in ihrem Vortrag Adapting to increased flood losses in flood damage compensation: A comparative analysis of the U.S. and the Netherlands [pdf, 1 MB, Englisch] (Anpassung der Hochwasserentschädigung an gestiegene Verluste: Eine vergleichende Untersuchung für die USA und die Niederlande), wie sich Regelungen zum Ausgleich von Hochwasserschäden in den Niederlanden und den USA historisch im jeweiligen nationalen Kontext entwickelt haben. Als aktuelle Fallbeispiele für diesbezügliche Entscheidungsprozesse in beiden Ländern dienten die kürzlich erfolgte Reform des nationalen Programms zur Versicherung gegen Hochwasserschäden nach dem Hurrikan "Katrina" und für die Niederlande die langwierigen Gerichtsverhandlungen in der Folge des Deichbruchs bei Wilnis im Jahr 2003.

Clare Waldmann, Fellow der Robert Bosch Stiftung, stellte in ihrem Vortrag Bottom-up approaches in adapting to a changing climate: Perspectives from the West Coast of the U.S. and why they could matter for Europe [pdf, 1.8 MB, Englisch] (Bottom-up-Ansätze in der Klimaanpassung: Eindrücke von der Westküste der USA und ihre mögliche Bedeutung für Europa) dar, wie vulnerable Kommunen und Wirtschaftszweige mit dem Klimawandel umgehen und wie dort kulturelle Elemente mit technologischen Innovationen verknüpft wurden. Als Beispiel stellte sie die California King Tides Initiative vor, ein „Bürgerwissenschafts“-Projekt, das zu Vulnerabilitätsabschätzungen beitragen und den Anwohnern veranschaulichen soll, wie sich der Meeresspiegelanstieg auf ihr Leben auswirken könnte. Ein anderes Beispiel bildete das Programm für die Muschelzuchtanlagen des Pazifischen Nordwestens. Sie zeigte, welchen Beitrag beide Initiativen zur regionalen Planung geleistet haben, und arbeitete Erfolgsfaktoren heraus, die auch für Anpassungsansätze in Europa und anderswo relevant sein können.

In ihrem Referat zur Klimaanpassung für Schottlands historisches Erbe in Küstenregionen (Coastal Climate Change Adaptation for Scotland’s Historic Environment [pdf, 2.5 MB, Englisch]) gab Dr. Mairi Davies (Historic Scotland) einen Überblick über die Arbeit von Historic Scotland, einer in Edinburgh ansässigen Verwaltungsbehörde der schottischen Regierung. Die Aktivitäten reichen von der quantitativen Erfassung vom Klimawandel betroffener Kulturgüter über die Zusammenführung von Maßnahmen zur Erforschung und Kartierung zu erwartender Gefahren durch Küstenerosion und Überschwemmungen bis zur Untersuchung der physischen Auswirkungen veränderter Wetterbedingungen auf Gebäude. Zu den von der Behörde verfolgten Ansätzen gehört es auch, eine Kultur der vorausschauenden Gebäudeerhaltung zu fördern, etwa durch einen Leitfaden, mit dessen Hilfe Eigentümer historischer Gebäude sicherstellen können, dass ihr Anwesen "klimafest" ist.

In der abschließenden Präsentation A comparison of local adaptation strategies – Results from a qualitative data analysis of nine coastal adaptation strategies [pdf, 620 kB, Englisch] (Kommunale Anpassungsstrategien im Vergleich – Ergebnisse einer qualitativen Analyse von neun Anpassungsstrategien in Küstenregionen) berichtete Dr. Nico Stelljes (Ecologic Institut) von einer Studie über neun Anpassungsstrategien von Küstengemeinden in Europa, den USA, Kanada und Australien. Auf der Basis von vier Hypothesen wurde eine qualitative Analyse der Strategien durchgeführt. Während die Strategien einerseits deutliche Gemeinsamkeiten aufwiesen, war andererseits hervorzuheben, dass sie in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten entstanden sind. Es wurde erörtert, ob eine solche Analyse eine Hilfe bei der Erarbeitung von Anpassungsstrategien in anderen Kommunen darstellen kann.


Veranstalter
Ecologic Institut, Deutschland
Datum
12. Mai 2015
Ort
Kopenhagen, Dänemark
Sprache
Englisch
Schlüsselwörter
Umweltgeschichte, Kulturerbe, Anpassung, Klimawandel, Küstenregionen, Regionalplanung, Pfadabhängigkeit, Hochwasserschäden, Hochwasserentschädigung,Risikobewertung, Europa, USA, Kanada, Australien, Schottland, Westküste, die Niederlande, Großbritannien, Deutschland