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Die Rolle der Biodiversität in der internationalen Zusammenarbeit

Die Rolle der Biodiversität in der internationalen Zusammenarbeit

Welche Rolle spielt Biodiversität eigentlich für den Wohlstand und die Lebenszufriedenheit eines Menschen? Und wie unterscheiden sich derartige Vorstellungen zwischen Ländern des Nordens und des Südens? In diesem von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) beauftragten Projekt wurde diesen Fragen vor dem Hintergrund einer kontroversen Diskussion über die "Kommerzialisierung der Natur" nachgegangen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten von aktuell diskutierten Entwicklungsmodellen herauszuarbeiten und dabei zu erfassen, in wie weit diese unterschiedlichen Auffassungen in der praktischen Entwicklungszusammenarbeit Berücksichtigung finden.

Die biologische Vielfalt hat von jeher eine große Bedeutung für den Menschen, sowohl als unmittelbare Lebensgrundlage etwa in Form von Nahrungsmitteln, als auch indirekt durch Funktionen von Ökosystemen wie Bodenfruchtbarkeit oder Grundwasserneubildung. Aktuelle Konzepte wie das der Ökosystemdienstleistungen versuchen verstärkt, den Nutzen der Biodiversität für die Menschheit in ökonomischen Begrifflichkeiten zu fassen, um so zu einem besseren Verständnis von Biodiversität als Lebens- und Wirtschaftsgrundlage, beizutragen.

Solche Konzepte basieren auf einem anthropozentrischen Verständnis von "Natur" als etwas vom Menschen Getrenntes; ihr Wert bemisst sich vor allem anhand ihres Nutzwertes für den Menschen. Diese Vorstellungen stehen allerdings häufig im Widerspruch zu holistischeren Weltsichten und Naturverständnissen, wie sie in vielen Ländern des Südens und vor allem unter indigenen Bevölkerungsgruppen verbreitet sind.

Viele Entwicklungsorganisationen gehen von der Annahme aus, dass die Entwicklungsländer einen ökonomischen Wachstumspfad folgen müssen, der sich an demjenigen der Industrieländer orientiert. In jüngeren Diskussionen wird dieses Entwicklungsparadigma zunehmend kritisch hinterfragt. Grundsätzlich sollten Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit auf die Bedürfnisse der Empfängerländer abgestimmt sein und bedürfen der aktiven Mitwirkung der jeweiligen Regierungen und der Bevölkerung. Für ihren Erfolg kommt es darauf an, auf lokale Verständnisse von Natur und des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur sowie erprobte Modelle nachhaltigen Umgangs mit der Biodiversität aufzubauen. Nicht-anthropozentrische Weltverständnisse und die damit verbundenen, über Jahrhunderte hinweg praktizierten Modelle nachhaltiger Naturnutzung können dabei wichtige Impulse für die Diskussion um notwendige Änderungen vorherrschender Entwicklungs- und Wirtschaftsmodelle und die Rolle von Biodiversität darin geben.

Vor diesem Hintergrund verfolgte das Projekt folgende Ziele und Maßnahmen:

  • Erfassung des internationalen Diskurses zur Rolle von Biodiversität in verschiedenen Gesellschaftsentwürfen und Entwicklungsmodellen.
  • Aufzeigen der Zusammenhänge zwischen Wohlstand, Lebensqualität und Biodiversität.
  • Untersuchung zur Berücksichtigung dieser Zusammenhänge in programmatischen Politikansätzen auf internationaler Ebene und in der Entwicklungs- und internationalen Zusammenarbeit in Deutschland.
  • Durchführung praktischer Fallstudien in Latein-Amerika, Afrika und Asien zur Reflexion alternativer Entwicklungsmodelle und ihrer Berücksichtigung in der Entwicklungszusammenarbeit.
  • Ableiten von Trendaussagen und Empfehlungen für die Entwicklungspolitik und die internationale Zusammenarbeit.
  • Durchführung eines Expertenworkshops zur Diskussion und Validierung der politischen Empfehlungen.