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Bekämpfung von Artenschutzdelikten: britische und deutsche Perspektiven

Bekämpfung von Artenschutzdelikten: britische und deutsche Perspektiven

TimeLoc
22. Januar 2014
Berlin
Deutschland
Europa sollte zunächst "im eigenen Haus Ordnung schaffen"

Am 22.  Januar 2014 beschäftigten sich über 100 Vertreter von Ministerien, NGOs, Botschaften und Forschungsinstitutionen in der Britischen Botschaft in Berlin mit der Frage, wie Artenschutzdelikte effektiver verhindert werden können. Bekannte Artenschutzdelikte sind z. B. das Wildern von Nashörnern wegen ihrer Hörner, das Töten von Elefanten zum Verkauf des Elfenbeins oder Handel mit geschützten Reptilien. Christiane Gerstetter, Senior Fellow am Ecologic Institut, zeigte u. a. Defizite in der Umweltstrafverfolgung auf. R. Andreas Kraemer, Direktor des Ecologic Instituts, moderierte die anschließende Podiumsdiskussion.

Der britische Botschafter in Berlin, HMA Simon McDonald, eröffnete die Veranstaltung. Er wies auf die von der britischen Regierung organisierte hochrangige Konferenz zu illegalem Handel mit geschützten Arten hin, welche im Februar 2014 in London stattfinden wird. Während der Konferenz sollen gemeinsame Strategien für Industrie- und Entwicklungsländer entwickeln werden, wie Artenschutzdelikte in Zukunft verhindert werden können.

Artenschutzdelikte – eine Art von Umweltkriminalität

Im Anschluss an die Rede des britischen Botschafters stellte Christiane Gerstetter, Senior Fellow am Ecologic Institut, das EU-Forschungsprojekt zu Umweltkriminalität (EFFACE-European Union Action to Fight Environmental Crime) vor. Das Ecologic Institut koordiniert dieses von der Europäischen Union (EU) finanzierte Forschungsprojekt. Sie beobachtete, dass Umweltstraftatbestände derzeit von Praktikern in Strafvollzugsbehörden und Gerichten häufig als schwer umsetzbar gesehen werden. Ähnliches galt früher beispielsweise für die Straftat Betrug; diese wird jedoch heutzutage standardmäßig verfolgt und mit strafrechtlichen Sanktionen belegt. Christiane Gerstetter unterstrich auch, dass sich für die Bekämpfung von Artenschutzdelikten aus anderen Bereichen der Umweltkriminalität – etwa illegalem Holzeinschlag oder der illegalen Ablagerung von Müll – etwas lernen lässt.

Eberhard Brandes, CEO des WWF Deutschland, gab einen Überblick über die schwerwiegenden Bedrohungen, denen sowohl Tierarten wie afrikanische Arten oder Nashörner als auch die Wildhüter, die sie schützen, ausgesetzt sind. Er wies darauf hin, dass der illegale Handel mit Arten heutzutage ein Markt mit einem geschätzten jährlichen Volumen von 10 Mrd. Euro jährlich ist. Ein Großteil davon fließt durch unkontrollierte Kanäle, über die teilweise auch bewaffnete Rebellengruppen, organisiertes Verbrechen und sonstige illegale Aktivitäten finanziert werden. Herr Brandes beobachtete jedoch auch ermutigende Signale – immer mehr Regierungen nehmen sich der Bekämpfung von Artenschutzverbrechen an.

Ordnung im europäischen Hause schaffen

Die anschließende Podiumsdiskussion moderierte R. Andreas Kraemer, Direktor des Ecologic Instituts. Das Podium bestand aus:

  • Margit Hellwig-Bötte, Visiting Fellow in der Abteillung Naher Osten und Afrika der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP);
  • Roberto Zolho, Coordinator der Rovuma Landscape des Ost-Afrika-Programm des WWF,  Programme, 
  • Dr. Jennifer Maher, Senior Lecturer in Criminology, University of South Wales, und
  • Simon Gallagher, Deputy Head of Mission, Britische Botschaft in Berlin. 

Die Diskussion konzentrierte sich auf Wilderei und Schmuggel von geschützten Arten auf globaler Ebene, aber auch auf Europa als Bestimmungs- oder Durchgangsland. Erörtert wurden die Auswirkungen auf die Gesellschaften, Wirtschaft und Umwelt in Entwicklungsländern sowie Maßnahmen, welche europäische Länder zur Verbesserung der Situation ergreifen könnten.

Auf breite Zustimmung stieß der Vorschlag, dass Europa zunächst "im eigenen Haus Ordnung schaffen" müsse;  europäische Staaten sollten dafür sorgen, dass die Nachfrage für entsprechende Produkte sinkt und Kontrollen an den Grenzen verschärft werden, bevor die Entwicklungsländer dazu gedrängt werden, ihrerseits Maßnahmen zu ergreifen, um das Angebot zu begrenzen. Betont wurde auch, dass wichtige Faktoren, warum Artenschutzdelikte in Entwicklungsländern begangen werden, Armut und ein Mangel an alternativen Einkommensquellen sind. Die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung in Schutzmaßnahmen zur Verhinderung von Wilderei und Schaffung von Einkommen wurde als sehr wichtig gesehen.

Im Anschluss an die Diskussion fand ein Empfang statt. Professor Johannes Vogel, Direktor des Museums für Naturkunde in Berlin, präsentierte ausgewählte Stücke aus der Sammlung des Museums.  Diese Stücke – darunter Exemplare verschiedener heutzutage bedrohter und geschützter Arten – waren während der Veranstaltung in der Britischen Botschaft ausgestellt. Ebenso wurden Photos des WWF Deutschland zu Artenschutzvergehen gezeigt.

Die Veranstaltung wurde von der Britischen Botschaft in Berlin, WWF Deutschland sowie – im Rahmen des EU-Forschungsprojekt zu Umweltkriminalität (EFFACE) – dem Ecologic Institut, organisiert.


Veranstalter
Datum
22. Januar 2014
Ort
Berlin, Deutschland
Sprache
Englisch
Schlüsselwörter
Umweltkriminalität, Wilderei, Kriminologie, organisiertes Verbrechen, Strafrecht, Korruption, CITES, Artenschutz, EFFACE, Fischerei, EU, Europa